Rail4Climate ist ein österreichisches Forschungs- und Förderprogramm zur gezielten Steigerung von Kapazität und Produktivität im Bahnsektor. Initiiert vom Klima- und Energiefonds und abgewickelt durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), unterstützt das Programm Projekte für eine leistungsfähigere, effizientere und klimafreundliche Eisenbahn.
Ein wesentliches Ziel von Rail4Climate ist es, Forschungsergebnisse rascher in die Praxis zu bringen. Gefördert werden daher vor allem Projekte, die Prototypen unter realen Bedingungen erproben und damit den Schritt von der Entwicklung in den Betrieb ermöglichen. So sollen Innovationen schneller am Markt ankommen und einen messbaren Beitrag zur Mobilitätswende leisten.
Ein Konsortium – bestehend aus Plasser & Theurer, Schuster + Schuster Traffic Infrastructure Consulting GmbH sowie ÖBB Infra – hat den Zuschlag für eine Rail4Climate-Förderung erhalten. Über eine Projektlaufzeit von drei Jahren richtet sich der Fokus auf zwei Hauptarbeitspakete:
Datenbasierte Instandhaltung für mehr Verfügbarkeit
Die Weiterentwicklung der Weichenvermessung ist die Grundlage für datenbasierte und somit effizientere Instandhaltung. Ziel ist es, den Zustand der Weichen zu ermitteln, Schadensbilder zu erkennen und passende Maßnahmen automatisiert abzuleiten.
Dabei geht es nicht nur darum, den optimalen Zeitpunkt für Stopfarbeiten zu bestimmen. Alle Verschleißerscheinungen und Schäden, die Eingriffe erfordern, müssen ermittelt werden – etwa Nachziehen von Schrauben in der Weiche, Nacharbeiten an Schienenstößen oder Schleifarbeiten im Bereich des Herzstücks. Inspektionen zur Planung dieser Arbeiten werden häufig händisch durchgeführt und erfordern eine Begehung der Gleise. Durch Vermessung mittels Messfahrzeug und digitale Maßnahmenplanung kann die Häufigkeit der Begehung sukzessive reduziert werden. Das erhöht die Sicherheit, da Personal aus dem Gefahrenbereich gebracht wird, und steigert die Effizienz durch reduzierte Inspektionszeiten der Weiche.
Der Weg zu datenbasierter Planung der Instandhaltung erfordert mehrere Schritte. Zunächst werden Weichen mit den Plasser & Theurer-Messfahrzeugen vermessen. Zum Einsatz kommen unter anderem ein Laser-basiertes Messsystem für Weichen und Kreuzungen, ein Video-basiertes Inspektionssystem sowie Systeme zur inertialen Gleisgeometriemessung. Ein Kernelement des Forschungsprojekts ist die Erarbeitung eines standardisierten Schadenskatalogs für Weichen. Die in den Messdaten detektierten Anomalien werden entsprechend kategorisiert. Anschließend erfolgt eine Analyse hinsichtlich der Dringlichkeit und Auswirkungen der identifizierten Schadensbilder.
Infrastrukturbetreiber erarbeiten Maßnahmen für Instandhaltung in Weichen vor allem erfahrungsbasiert, gestützt auf dem Wissen der verantwortlichen Experten. Mit dem vorgestellten Prozess wird ein wesentlicher Schritt hin zu datenbasierter Weicheninstandhaltung gesetzt. Ziel ist es, Mängel entsprechend des standardisierten Fehlerkatalogs reproduzierbar zu erfassen und zu bewerten, um eine Behebung vor dem Eintritt von Folgeerscheinungen oder, im ungünstigen Fall, von ungeplanten Störungen zu ermöglichen. Außerdem können durch Bündelung von Instandhaltungsarbeiten Schadstoffemissionen und Sperrzeiten reduziert werden. Optimierte Weicheninstandhaltung leistet einen wesentlichen Beitrag zur hohen Verfügbarkeit der Gleisinfrastruktur.
Automatisierung von Stopfmaschinen
Der zweite Schwerpunkt des Forschungsprojekts widmet sich der weiteren Automatisierung von Stopfmaschinen. Ein Meilenstein wurde auf der iaf 2025 gezeigt: Dort präsentierte Plasser & Theurer erstmals eine autonome Weichenstopfung mit dem Unimat 09-4x4/4S E³ ganz ohne Bedienpersonal in der Stopfkabine.
Nun gilt es, dieses Konzept weiterzuentwickeln. Im Mittelpunkt steht der weitere Ausbau der Plasser TampingControl. Schon heute passt das System den Stopfdruck automatisch an die vorherrschenden Bedingungen im Gleis an. Künftig sollen alle relevanten Stopfparameter wie beispielsweise Beistellzeiten oder Anzahl der Stopfzyklen automatisiert werden. Damit soll gleichbleibend hohe Stopfqualität – unabhängig von lokalen Gegebenheiten – erreicht werden.
Ziel der aktuellen Entwicklung ist die Übertragung des Automatisierungsgrads auch auf die Gleisneulage, wodurch ein vollständiger Stopfvorgang selbst im eingeschotterten Gleis auf Basis der aktuell vorherrschenden Bedingungen durchgeführt werden kann. Dabei werden auch Hindernisse zuverlässig erkannt, die nicht im Weichenplan erfasst sind, sodass auf lokale Gegebenheiten unmittelbar reagiert werden kann. Eine Weichenvermessung oder das Einpflegen von Weichendaten ist dafür nicht erforderlich.
Eine eventbasierte Kamera erkennt kleinste Schotterbewegungen und macht unter dem Schotter liegende Schwellen und Schienen sichtbar. Dadurch können die Stopfpickel präzise in das Schwellenfach eindringen.
Innovationen, die wirken
Mit den durch Rail4Climate geförderten Projekten zeigt das Konsortium, wie Digitalisierung und Automatisierung konkrete Mehrwerte für die Bahnbranche schaffen können. Innovative Technologien erhöhen die Sicherheit, ermöglichen effizienteren Ressourceneinsatz und verbessern die Verfügbarkeit der Infrastruktur nachhaltig. Durch Unterstützung des Förderprogramms erhalten diese Entwicklungen zusätzlichen Rückenwind, sodass der Schritt von der Forschung in den realen Betrieb noch schneller vollzogen werden kann.