Die Instandhaltung der Gleisinfrastruktur steht vor einem Umbruch. Die Digitalisierung schreitet voran und der Einsatz moderner Assistenzsysteme hält vermehrt Einzug in den Gleisbau. Auf der iaf 2025 zeigte Plasser & Theurer im Rahmen einer Live-Demonstration, wie ein Unimat 09-4x4/4S E³ in nur einem Arbeitsgang eine Weichenstopfung komplett autonom ohne Bedienpersonal durchführte.
Die Vorführung machte deutlich, wie weit die Entwicklung der autonomen Gleisbaumaschine bereits fortgeschritten ist und welche Möglichkeiten diese Technologie bietet. Aufbauend darauf werden weitere gezielte Schritte folgen, um das vorhandene Potenzial konsequent auszuschöpfen und den Nutzen kontinuierlich zu steigern.
Die Zukunft ist „autonom“
Steigender wirtschaftlicher Druck, zunehmender Fachkräftemangel sowie wachsende Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Effizienz prägen den Arbeitsalltag von Infrastrukturbetreibern und Bauunternehmen. Vor diesem Hintergrund verfolgt Plasser & Theurer die Vision der autonomen Gleisbaumaschine. Ziel ist ein ganzheitliches, intelligentes System, das den gesamten Instandhaltungsprozess integriert, automatisiert und autonom gestaltet – von der Arbeitsausführung bis zur Dokumentation.
Selbstständige Arbeit
Durch digitale Systeme kann künftig eine Weiche von nur einer Person vollständig bearbeitet werden – das reduziert Personalkosten und wirkt dem Fachkräftemangel entgegen. Gleichzeitig sorgen automatisierte Positionierung der Arbeitsaggregate und adaptive Steuerung der Stopfparameter für konstant hohe Arbeitsqualität. Das ermöglicht standardisierte, wiederholbare Prozesse nahezu unabhängig vom Erfahrungsstand der Bedienperson. Mit steigendem Automatisierungsgrad übernimmt die Maschine zunehmend die selbstständige Durchführung der nötigen Arbeitsschritte. Durch KI-gestützte Systeme können Stopfparameter auf Basis digitaler Regelwerke sowie erfasster Umgebungs- und Zustandsdaten automatisiert generiert werden. Das senkt die Fehleranfälligkeit, beschleunigt Prozesse und stellt gleichbleibend hohe Bearbeitungsqualität sicher.
Plasser & Theurer setzt auf stufenweise Entwicklung der Automatisierung. Diese umfasst fünf klar abgegrenzte Levels – von der manuellen Bedienung bis zur vollständig autonomen Maschine. Mit jeder Stufe steigen Funktionsumfang und Automatisierungsgrad, während sich gleichzeitig Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Bedienpersonals grundlegend verändern.
Level 1: Manueller Arbeitsprozess
Die Maschine wird vollständig vom Bedienpersonal ohne Automatisierung gesteuert. Qualität und Effizienz hängen vom Erfahrungsgrad der Bediener ab, die Experten für den gesamten Arbeitsprozess sein müssen.
Level 2: Assistierter Arbeitsprozess
Assistenzsysteme unterstützen Teilprozesse, die Verantwortung für Qualität, Kontrolle und Ausführung bleibt jedoch beim Bedienpersonal. Bediener profitieren von Entlastung, besserer Ergonomie und höherer Wiederholgenauigkeit.
Level 3: Teilautonomer Arbeitsprozess
Die Maschine führt definierte Arbeitsschritte selbstständig aus. Das Personal überwacht und greift bei Störungen ein. System- und Prozesswissen wird wichtiger als manuelle Maschinensteuerung.
Level 4: Vollautonomer Arbeitsprozess
Alle Arbeitsprozesse werden durch die Maschine automatisiert: von der Umgebungsanalyse über die Prozessausführung bis zur Qualitätskontrolle. Bedienpersonal ist nicht mehr involviert und greift nur im Notfall ein.
Level 5: Vollautonome Maschine
Alle Fahr- und Arbeitsprozesse laufen vollständig autonom. Es gibt keine Kabinen und kein Personal mehr vor Ort. Steuerung und Überwachung erfolgen zentral aus der Ferne, was zu maximaler Sicherheit und Effizienz führt.
Arbeitssicherheit geht vor
Ein weiterer Mehrwert liegt in deutlich erhöhter Arbeitssicherheit. Da künftig nur noch eine Bedienperson erforderlich ist, die sich während des Einsatzes im geschützten Führerstand befindet, sinkt das Unfallrisiko im Gleisbereich erheblich. Als Unterstützungstechnologie auf dem Weg zu vollständiger Autonomie tragen auch Remote-Bedienkonzepte zum Arbeitsschutz bei, indem Maschinen zentral aus einem Leitstand gesteuert und überwacht werden können. Darüber hinaus schützt die automatisierte Aggregatsteuerung nicht nur das Personal, sondern auch die Infrastruktur: Hindernisse wie Kabel oder Antriebe werden zuverlässig erkannt und umfahren. Grundlage dafür ist schrittweise Autonomisierung aller Teilsysteme: von der Ausführung einzelner Arbeitsschritte über selbstständige Funktionsprüfung bis zur Erkennung und Behebung von Fehlern.
Erweiterte Nachweisführung
Ein weiterer Vorteil ist digitale Qualitätssicherung. Mit dem webbasierten Plasser TampingReport steht ein standardisiertes Nachweissystem zur Verfügung, das alle Arbeits- und Qualitätsparameter lückenlos erfasst. Alle Daten sind standortunabhängig abrufbar und ermöglichen transparente Übergabe an den Infrastrukturbetreiber. So lassen sich Abweichungen frühzeitig erkennen und Nacharbeiten deutlich reduzieren. Mit zunehmender Digitalisierung werden Informationen zentral gesammelt, strukturiert aufbereitet und in andere Systeme integriert. Auf dieser Basis eröffnen moderne Analyse- und Planungs-Tools neue Perspektiven für die Instandhaltung: Der Fokus verlagert sich von korrektiven Eingriffen über zustandsbasierte Maßnahmen hin zu prädiktiven Strategien, die Wartung vorausschauend und proaktiv planbar machen.
Vom Lieferanten zum Partner
Mit wachsender Automatisierung wandelt sich auch die Rolle des Herstellers. Digitale Systeme erfordern enge Zusammenarbeit während der Implementierung und danach. Full-Service-Angebote mit Updates, Wartung und Systemanpassungen reduzieren Ausfallzeiten und beschleunigen Innovationen. So wird der Hersteller vom Lieferanten zum langfristigen Partner und übernimmt zunehmend Systemverantwortung – zur Entlastung der Kunden und für stabilen Betrieb.
Fortschreitende Automatisierung in der Fahrweginstandhaltung verändert Rollen und Prozesse grundlegend. Kernelement ist eine schrittweise Übertragung von Steuerung und Qualitätskontrolle vom Bediener auf die Maschine. So werden Abläufe effizienter, die Arbeitsqualität gesteigert und die Sicherheit auf der Baustelle erhöht – ein klarer Fortschritt für Betreiber und Bauunternehmen.